Entstehungsgeschichte des gemeinschaftlichen Wohnprojekts rund um die Alte Mälzerei Lichtenrade
Im Januar 2017 gründete sich der „Wohntisch Lichtenrade“, eine kleine Gruppe engagierter Menschen. Ihr Ziel: weniger Anonymität, eine aktive Nachbarschaft durch gemeinschaftliches Wohnen.
Im Blick: das Gelände um die Alte Mälzerei, direkt angrenzend an S-Bahnhof und Bahnhofstraße.
Doch die Alte Mälzerei, ein beeindruckendes Industriegebäude von 1898, sollte in ein Einkaufszentrum umgewandelt werden. Dank der aktiven Bürgerschaft, der Ökumenischen Umweltgruppe und des Bezirks konnte dies verhindert werden, denn das hätte das Ende der Einkaufsstraße Bahnhofstraße bedeutet. 2016 unterschrieben Thomas Bestgen und seine Frau Jutta Grünewald den Kaufvertrag für die Alte Mälzerei.
Sie fragten die Lichtenrader, was dem Stadtteil fehlt. In einem Workshop entstand die Vision eines Wohnprojekts: nachhaltig, gemeinschaftlich und generationenübergreifend. Gemeinsam mit der UTB Projektmanagement GmbH wuchs die Idee Schritt für Schritt. Nachdem es Herrn Bestgen und Frau Grünewald gelungen war, auch die Grundstücke um die Alte Mälzerei zu erwerben, das Landhaus vor dem Zerfall zu retten und einen Bebauungsplan beim Bezirk einzureichen, wurde aus dem Traum allmählich Realität.
Aus finanziellen Gründen musste die Idee einer Genossenschaft aufgegeben werden. Mit viel Geduld gelang es dem Projektentwickler UTB, dass mehr als die Hälfte der Wohnungen gefördert wurden, also an einen WBS gebunden sind. Aber auch die freifinanzierten Mietwohnungen haben einkommensabhängige Mieten. So entsteht ein sozial durchmischtes Quartier – mit Gemeinschaftsräumen und Orten für Begegnung.
Wie findet man passende Nachbar*innen? Das machen am besten diejenigen, die später Tür an Tür wohnen. Über Infoabende, Gespräche und Willkommenstreffen wurde die passende Nachbarschaft zusammen gebracht.
2022 gründeten 35 Mitglieder den Nachbarschaftsverein „Lichtenrader ReWIR e.V.“. Hier haben alle Mitglieder über Arbeitskreise und den Leitungskreis ein Mitspracherecht über die Aktivitäten des Vereins. Die Zusammenarbeit zwischen Verein, UTB als Eigentümer und BeGrün als Hausverwaltung ist eng.
Inzwischen sind alle 202 Neubauwohnungen bezogen. Jung und Alt, Singles und Familien, Menschen aus dem Kiez und von weiter her, 30 Nationalitäten: alle sind willkommen. Rund 150 Vereinsmitglieder gestalten das nachbarschaftliche Zusammenleben. Wer Lust hat, Teil dieser Idee zu werden, ist herzlich eingeladen mitzumachen!
Margrit Schmidt, Mitinitiatorin des Projektes, beschreibt den Werdegang
Anonymität und Vereinzelung tun der menschlichen Seele nicht gut. Davon überzeugt, fand eine zunächst kleine Gruppe von überwiegend älteren Menschen in Lichtenrade, ob in einem Mietshaus oder in eigenem Haus mit Garten lebend, im Januar 2017 zum ersten Mal zusammen.
Die Alte Mälzerei Lichtenrade, ein Industriegebäude von 1898, nahe am S-Bahnhof gelegen, schlief seit Jahrzehnten einen tiefen Dornröschenschlaf.
2016 kauften Thomas Bestgen und Jutta Grünewald die Alte Mälzerei. Sie erkundigten sich in allen aktiven Gruppen von Lichtenrade, was denn hier fehle im Stadtteil. Die Idee für ein generationenverbindendes, gemeinschaftliches und nachhaltiges Wohnprojekt stieß bei dem sozial und nachhaltig ambitionierten Eigentümer und Projektentwickler auf offene Ohren.
Nachdem es Herrn Bestgen gelungen war, auch die Grundstücke um die Alte Mälzerei zu erwerben, das Landhaus vor dem Zerfall zu retten und einen Bebauungsplan beim Bezirk einzureichen, war endgültig klar, dass hier etwas Besonderes entstehen würde.
Eine Zeit des intensiven Nachdenkens und Austauschs darüber, wie denn nun diese zukünftige Gemeinschaft im Einzelnen zu gestalten sei, begann. Von Anfang an war klar, dass es einen Gemeinschaftsraum geben sollte für Begegnungen und Veranstaltungen der Menschen, die hier leben.
Der anfängliche Plan, die Wohnungen unter dem Dach einer Genossenschaft zu bauen, musste aus finanziellen Gründen aufgegeben werden. Die passenden Interessierten mit den passenden Wohnungen zusammenzubringen wurde uns zur Aufgabe gemacht.
Mit der wachsenden Anzahl der Menschen am Wohntisch wurde es immer dringender, uns eine Struktur zu geben, und Ende 2022 gründeten wir zunächst mit 35 Mitgliedern den Verein Lichtenrader ReWIR e.V. Die Zusammenarbeit mit der UTB wurde in allen Gremien des Vereins verankert: gemeinsame Sitzungen des Vorstands und des Leitungskreises. Nun, im April 2024, da die Einzüge in das erste der vier Häuser bevorstehen, sind bereits hundert Menschen dem Verein beigetreten. Und die alten Gründungsmitglieder des Wohntischs freuen sich über die vielen jungen Menschen, Familien und Kinder, die inzwischen mit dabei sind.
Margrit Schmidt, April 2024